By Martin Proißl

In Adornos Kritischer Theorie der Gesellschaft und Bourdieus Soziologischer Theorie der Praxis wird das Spannungsverhältnis zwischen der Wirkungs- und Beharrungsmacht bestehender sozialer Strukturen und der Handlungsmacht sozialer Akteure unterschiedlich ausgetragen. Beide Theorien stimmen darin überein, dass soziale Ungleichheit, Macht und Herrschaft, von den Subjekten internalisiert bzw. inkorporiert und infolge dessen selbsttätig reproduziert werden. In der Frage, ob es aus diesem circulus vitiosus von objektiven Macht- und Herrschaftsstrukturen und deren subjektiver Reproduktion vermittels Sozialcharakter und Habitus ein Entkommen gibt, unterscheiden sie sich grundsätzlich. Martin Proißl zeichnet die beiden einflussreichen soziologischen Theorien detailgenau nach. Er folgt der Fragestellung, wie in ihnen das Verhältnis von choice und Freiheit jeweils bestimmt wurde und ermöglicht dadurch eine begründete Einschätzung ihres emanzipatorischen Potenzials.

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Adorno, Einleitung, in: Durkheim, Emile, Soziologie und Philosophie, Frankfurt am Main, 1967, S. 7-44 Adorno, 1979 [1967], S. 245 Ebd. 1 Die wichtigsten Bezugsautoren Adornos und Bourdieus 49 Vielmehr galt seine grundsätzliche Kritik dem sozialwissenschaftlichen Positivismus schon früher. Dieser „war konformistisch schon ehe er die Marktforschung als Vorbild sich erkor, und die kritische Theorie der Gesellschaft hat ihm daher von jeher mißtraut, mochte er stets auch gegen sie als die radikalere Aufklärung sich aufspielen“94.

4) Historische Bedingungen: Das neuzeitliche Menschenbild vom freien Menschen entstand erst seit dem 17. Jahrhundert, mit der Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft, „unterm unausdrücklichen Mandat der bürgerlichen Klasse“ 49 . Die Freiheitsphilosophien, auch der deutsche Idealismus, sind für Adorno zwar „der Geist des Kapitalismus“, aber nicht im Weberschen, sondern im Marxschen Sinn. Die Idee der Freiheit und die reale Freiheit der Menschen ist „geschichtlichen Wesens“50. „Ganzen Epochen, ganzen Gesellschaften fehlte wie der Begriff der Freiheit so die Sache“51.

Daß in der Vorgeschichte die objektive Tendenz über den Köpfen der Menschen, ja vermöge der Vernichtung des Individuellen sich durchsetzt, ohne daß bis heute die im Begriff konstruierte Versöhnung von Allgemeinem und Besonderem geschichtlich vollbracht wäre, verzerrt sich bei ihm: mit überlegener Kälte optiert er nochmals für die Liquidation des Besonderen. Nirgends wird bei ihm der Primat des Ganzen bezweifelt“73. Mit einem Wort: Adorno lehnte den „Strukturalismus“ Hegels ab. Der große Mangel an Hegels Theorie war für ihn weniger der Glaube, der Staat könne über dem Klassenantagonismus stehen.

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